Einführung in den Podcast Loneliness Industry

Die wahren Ursachen von Einsamkeit beim Namen nennen

Hallo. Mein Name ist Jordan. Das hier ist ein Podcast über Lösungen für Einsamkeit – und ich bin nicht hier, um dir zu sagen, dass du dich selbst lieben oder positiv denken sollst. Ich weiß, dass das nicht funktioniert – weil ich selbst jahrzehntelang mit dieser quälenden, tief in den Knochen sitzenden Einsamkeit gekämpft habe, die so viele von uns kennen. Wenn du mich aus meiner früheren Karriere als Musiker*in kennst, gehörst du vielleicht zu denjenigen, die mich als stark wahrgenommen haben. Vielleicht hast du gedacht, dass ich Teil einer Gruppe, einer Gemeinschaft, der Musikszene oder was auch immer war. Aber wie so vieles in unserer modernen Welt ist das Gesicht, das wir in der Öffentlichkeit zeigen, nicht das Leben, das wir im Verborgenen führen. Die Wahrheit ist: Die meiste Zeit meines Lebens fühlte ich mich abgeschnitten, unsichtbar und isoliert. Und als ich nach Lösungen suchte, wurde mir immer wieder gesagt, der Schlüssel gegen die Einsamkeit sei, mit mir selbst glücklich zu sein – positiv zu denken und mich selbst zu lieben, bevor ich überhaupt daran denken dürfe, mich mit anderen zu verbinden.
Also tat ich, was man mir sagte.

Wenn du so tickst wie ich, kommt dir vielleicht auch dieser Teil meiner Geschichte bekannt vor: Aufgewachsen als Sündenbock der Familie – mit der unausgesprochenen, aber glasklaren Botschaft, dass alles meine Schuld sei. Selbsthilfebücher und spirituell-aber-nicht-religiöse Literatur passten nahtlos zu dieser Konditionierung. Ich war mehr als bereit zu glauben, dass auch meine Einsamkeit, mein geringes Selbstwertgefühl und meine Isolation allein mein Versagen waren.

Ich dachte, Schuld zu akzeptieren würde mich zu einem besseren Menschen machen – es wäre ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein. Und ja, ich glaube wirklich daran, dass wir Verantwortung für unser Handeln übernehmen sollten. Aber ich dachte, wenn ich die ganze Last weiter trage, wie man es mir beigebracht hatte, dann würde irgendwann etwas funktionieren.
Und als es trotzdem nicht funktionierte, wurde das einfach zur nächsten Sache, für die ich mich selbst verantwortlich machte. Aber ich fand keine Antworten in den Selbsthilfebüchern, die versprachen, meine Probleme zu heilen. Im Gegenteil – mit der Zeit ging es mir schlechter. Ich fühlte mich noch isolierter. Und die Tatsache, dass ich meine Einsamkeit immer noch nicht beheben konnte, fühlte sich an wie ein weiterer persönlicher Misserfolg. Noch ein weiterer Grund, mir selbst die Schuld zu geben.

Wie konnte ich alles richtig machen, so wie es die sogenannten Expert*innen sagten, und es wurde trotzdem schlimmer? Das musste doch auch meine Schuld sein, oder? Liegt nicht alles an mir? Haben wir nicht die vollständige Kontrolle über unsere Gedanken und das, was uns passiert? Dieser Mindfuck der Selbstbeschuldigung hätte ewig so weitergehen können – aber hier ist der Punkt: Ich habe Philosophie studiert. Ich liebe Philosophie. Und irgendwann begann ein kritischer Blick durchzudringen. Je mehr ich die Grundwerte westlicher Spiritualität und Selbstoptimierung hinterfragte, desto klarer wurde mir, dass diese Narrative längst gekapert worden waren – von denselben kapitalistischen, individualistischen Werten, die genau die Probleme verursachen, die sie angeblich lösen wollen.

Ich dachte an Žižek: Selbstoptimierung enthält ihren eigenen Widerspruch. Sie verschleiert genau die Werte, die verhindern, dass die eigentlichen Probleme je wirklich gelöst werden. Stattdessen halten sie das Problem am Leben.


Einsamkeit ist kein persönlicher Makel.


Dieser Podcast möchte dir eine entscheidende Tatsache nahebringen: Einsamkeit ist kein persönliches Versagen. Sie ist ein tiefgreifendes, existenzielles Problem mit realen, messbaren Konsequenzen. Wir sind soziale Wesen. Ohne die Gegenwart anderer sterben wir. Eine kind überlebt nicht ohne die Unterstützung ihres Umfelds. Von Anfang an ist Verbindung kein Luxus – sie ist eine biologische Notwendigkeit. Psycholog*innen wie Bowlby haben gezeigt, dass Einsamkeit nicht nur unangenehm ist – sie schadet uns aktiv. Sie verursacht Entwicklungsstörungen. Sie tötet. Es geht nicht nur darum, sich mal traurig zu fühlen – unser emotionales Wohlbefinden, ja unser Überleben steht auf dem Spiel. Früher starben Menschen, die aus der Gemeinschaft verstoßen wurden, nicht, weil sie nicht jagen oder ein Dach bauen konnten – sie starben, weil sie vom essenziellen Nährboden menschlicher Verbindung abgeschnitten waren. Heute sterben Menschen mit wenigen oder keinen sozialen Beziehungen früher, erkranken häufiger und berichten durchweg über eine geringere Lebensqualität. Und trotzdem wird Einsamkeit als individuelles Problem betrachtet. In Wahrheit ist sie das direkte Ergebnis einer Gesellschaft, die von Individualismus besessen ist – von der Zerstückelung menschlicher Beziehungen. Ich weiß, was du jetzt vielleicht denkst – denn ich habe es auch gedacht: „Aber alle anderen scheinen doch klarzukommen… also muss das Problem bei mir liegen.“



Die Fassade des „Alles okay“

Erstens: Unsere Gesellschaft bringt uns bei, eine Fassade aufrechtzuerhalten. Viele Menschen leiden genauso wie du – aber man sieht es ihnen nicht an. Zweitens: Wie Krishnamurti so treffend sagte: „Es ist kein Zeichen von Gesundheit, gut angepasst an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.“ Krishnamurtis Philosophie lehnt die Vorstellung ab, dass wir das Problem sind. Stattdessen weist er auf die Strukturen und Ideologien, die unser Verständnis von Einsamkeit, Verbindung und Selbstwert prägen – und ruft zu einem radikalen Perspektivwechsel auf. Er fordert uns auf, vorgefertigte Antworten abzulehnen und direkte, echte Erfahrung zuzulassen. Und genau das brauchen wir im Umgang mit Einsamkeit: eine Neurahmung der gesamten Debatte. Nicht als individuelles Versagen, sondern als Produkt eines Systems, das uns aktiv isoliert und gleichzeitig falsche Lösungen anbietet.



Die Lüge der Selbstgenügsamkeit

Wir leben in einer Welt, in der Selbsthilfe, Wellnesskultur und westliche Spiritualität uns einreden, wir müssten uns nur mehr anstrengen, mehr meditieren oder den Erfolg visualisieren – und wir würden irgendwie „geheilt“ und bereit sein, die perfekte Freundin, Partnerin oder einfach ein „guter Mensch“ zu sein. Aber die Werte, die diesen Narrativen zugrunde liegen – Kontrolle, Individualismus, kognitive Dominanz – sind genau das, was uns festhält. Man bringt uns bei, dass wir unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Körper kontrollieren müssen. Dass wir alles im Griff haben sollen – sogar unsere Heilung. Doch hier kommt der Clou: Dieses Kontrollsystem ist eine Lüge. Es ist ein Werkzeug, das uns spaltet, isoliert und leicht manipulierbar macht. Der Mythos der perfekten Selbstgenügsamkeit sagt dir: Wenn du nicht alles im Griff hast, hast du keinen Platz in der Welt. Und genau das macht uns einsam.



Verbindung entsteht durch geteilte Menschlichkeit

Hier mein erster Spoiler: Kontrolle ist eine Illusion. Echte Verbindung entsteht nicht durch Perfektion, Selbstgenügsamkeit oder vollständige Heilung. Sie entsteht durch das Annehmen unserer gemeinsamen Menschlichkeit – der Unordnung des Lebens, der Tatsache, dass wir einander brauchen, selbst (oder gerade) in unserer Unvollkommenheit. Die Philosophie hat mich gelehrt, einfache Erzählungen zu hinterfragen. Sie hat mir geholfen, die toxische Idee abzulehnen, ich müsse mich erst allein reparieren, bevor ich Verbindung verdiene.



Was dieser Podcast ist (und was nicht)

Dieser Podcast – The Loneliness Industry – will jene Narrative hinterfragen, die uns weismachen, wir müssten unsere Einsamkeit allein lösen. Stattdessen wollen wir die Wahrheit erforschen: Echte Verbindung entsteht durch das Annehmen unserer geteilten menschlichen Erfahrung, unseres Bedürfnisses nach Gemeinschaft und unserer Fähigkeit zur Verletzlichkeit. Und zum Schluss möchte ich klarstellen, was ich nicht tun werde: Ich werde dir keine universelle Lösung verkaufen. Ich werde deine Intelligenz nicht beleidigen, indem ich behaupte, ich hätte mein Leben mit irgendeiner Selbsthypnose-Technik „geheilt“ – und du könntest das auch.
Denn hier ist die Wahrheit: Ich bin selbst nicht geheilt.
Und ich muss es auch nicht sein. Du auch nicht.

Was ich anbieten möchte, ist eine andere Perspektive – eine, die dir hilft zu erkennen, wann das sogenannte Heilmittel Gift enthält. Eine Perspektive, die auf Philosophie und kritischem Denken basiert, nicht auf seichter Affirmation und toxischer Positivität. Du musst nicht „repariert“ sein, um Verbindung zu verdienen. Du musst dich nicht zuerst selbst lieben, bevor du Liebe von anderen empfangen darfst. Du bist nicht allein in deiner Einsamkeit. Und es gibt einen Ausweg aus diesem Kreislauf. The Loneliness Industry möchte kulturelle Mythen entlarven, unsere Selbstbilder hinterfragen und dir helfen, tiefere, bedeutungsvollere Verbindungen aufzubauen. Nicht indem du dich selbst „reparierst“, sondern indem du die Systeme konfrontierst, die uns überhaupt erst das Gefühl geben, kaputt zu sein.
Wenn du – wie ich – es satt hast, dich einsam zu fühlen, und mehr darüber erfahren willst, wie wir in diesen Schlamassel geraten sind und was man dagegen tun kann: Bitte abonnier den Podcast oder folge ihm. Ich würde mich riesig freuen, wenn du dabei wärst – für einen tieferen Blick auf das, was uns festhält, obwohl es das Gegenteil verspricht.

Und damit, lieber Zuhörerin, endet die erste Folge. Ich danke dir fürs Zuhören. Und auch wenn wir uns vielleicht nie begegnen und ich deinen Namen nie erfahren werde – ich bin froh, dass du da bist. Bis zum nächsten Mal. Next Blog Post